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Interview mit Enrico bei MyOwnMusic vom 24.03.2010:

MOM-Inventar gibt Auskunft: Im Gespräch mit Palazzo

Enrico Palazzo ist einer der dienstältesten Artists bei Myownmusic.de, zudem ein angesehener Reviewer. Obwohl er quasi zum Inventar gehört, hat er MOM bislang noch kein Interview gegeben. Ein unhaltbarer Zustand – fand auch Kollege Vlad, der Palazzo zum Gespräch bat.

Vlad: Rico, wir beide sind Düsseldorfer und kennen uns persönlich, aber nicht alle wissen, dass Enrico Palazzo Dein Künstlername ist und Du nicht aus dem Land kommst, in dem die Sonne immer scheint und leckere Tomaten wachsen. Wie lange gibt es Enrico Palazzo schon und wie kamst Du zu diesem Namen?

Palazzo: Geboren wurde ich 1971 in Düsseldorf als Sohn von deutschen Eltern. Mit Musik kam ich schon sehr früh in Berührung. Als ich drei Jahre alt war, konnte ich angeblich schon sämtliche Songtexte von Peter Maffay auswendig.
Den Namen Enrico Palazzo habe ich allerdings erst 1988 bekommen. Er stammt aus dem Film „Die Nackte Kanone“ von David Zucker. Gegen Ende des Films soll ein Attentat auf die britische Queen während des World Bowls in den USA stattfinden. Um dieses zu verhindern, fesselt und knebelt der Held des Films einen für die Veranstaltung gebuchten Opernsänger, gibt sich selbst für diesen aus und singt an seiner Stelle auch noch den „Star-Spangled Banner“ – und zwar recht grauenhaft. Und am Ende rettet er dann auch noch die Queen. Der Name des Opernsängers ist Enrico Pallazzo (mit Doppel-L), der dann durch die Nachrichten geht.
Einige Bekannte von mir liebten den Film offenbar so sehr, dass sie mich fortan Enrico Palazzo nannten, da sie der Meinung waren, dass meine Gesangskünste genau so bescheiden waren wie die des Kommissars. Hahaha!

Vlad: Wo hast Du Deine musikalischen Erfahrungen gesammelt? Und wann ging es auf die Bühne?

Palazzo: Ich habe mit sechs Jahren mein erstes Musikinstrument geschenkt bekommen, eine alte Gebläseorgel, auf der ich erste autodidaktische Gehversuche im Bereich der Harmonielehre gemacht habe. Später interessierte ich mich mehr für die Gitarre. Als ich das erste Mal auf einer Kinderfreizeit einen Betreuer darauf spielen hörte, war ich sofort verliebt in dieses Instrument. Erste Melodien entstanden nach wenigen Stunden.
Meine ersten „Bühnenerfahrungen“ sammelte ich bei einem Urlaub in Holland, wo ich zur Belustigung der Touristen – die über die Weihnachtsfeiertage allerdings eher spärlich am Strand anzufinden waren – gelegentlich ein paar Lieder auf der Restaurant-Orgel des Hotels spielte, wo wir logierten.
Mit dreizehn Jahren habe ich in einer Schülerband mitgemacht, allerdings war das Repetoire wenig erquickend, und Auftritte gab es auch keine. Erst mit Anfang Zwanzig habe ich erste echte Banderfahrung gesammelt. Die Band hieß CROSSBONES und spielte harte Rockmusik. Gegründet wurde die Band übrigens von Uwe Manns, mit dem ich auch heute noch musikalisch liiert und befreundet bin.
b 1994 sang ich dann bei der Düsseldorfer Metal-Band NIGHTMISSION. Nach einem Jahr waren wir sehr erfolgreich auf Tournee durch das gesamte Rheinland. Wir spielten in Clubs und auf Festivals. Absolutes Highlight war 1995 ein Auftritt beim zweiten „Festival of Friendship“ mit 70.000 Zuschauern in der Düsseldorfer Altstadt.
Da ich mich trotz allem musikalisch nicht ausgelastet fühlte, gründete ich etwa zur selben Zeit meine eigene Band namens Enrico Palazzo & THE LEUCOTOMICS. Auch mit dieser Truppe wurden regelmäßig, wenn auch kleinere und weniger Auftritte absolviert. Immerhin schafften wir es, einen Bandwettbewerb zu gewinnen und daraufhin im Lokalradio NRW regelmäßig gespielt zu werden.

Vlad: Das klingt nach sehr bewegten Anfängen. Wie ging es dann weiter?

Palazzo: Beide Bands lösten sich leider zwei Jahre später aus unterschiedlichen Gründen auf. Damit war es Zeit für eine professionelle Band, die bereits mit Größen wie ACCEPT, RUNNING WILD und RAGE tourte: RANDOM. Mit dieser Band war ich 1997 auf vierwöchiger Europatournee. So konnte ich sogar internationale Bühnenerfahrung sammeln. Die Tour führte unter anderem durch Städte wie Paris, Lyon oder Budapest. Eine unglaublich wertvolle Erfahrung, auch wenn das Ganze leider nicht durch kommerziellen Erfolg gekrönt war.
Im neuen Jahrtausend widmete ich mich wieder den kleineren Dingen: THE BEST SOULUTION feat. THE BLOW JOBS, eine sechzehnköpfige Soul-Blues-Funk-Bigband, die regelmäßig in NRW auftrat. Dort war ich ebenfalls der Frontmann. In den letzten Jahren ist es aber ruhig um meine Bühnenpräsenz geworden.
Ich trete gelegentlich als Gastmusiker bei befreundeten Bands und Musikern und ganz selten auch mal solo auf. Das soll sich aber demnächst auch mal wieder ändern. Mit "Random Reloaded" steht eine Reunion meiner alten Band ins Haus. Und auch solo habe ich wieder einige Kollegen um mich geschart, um noch mal die hiesige Szene aufzumischen. Hahaha!

Vlad: Welche Bands/Musiker haben Dich beeinflusst?

Palazzo: Ich bin mit Schlager groß geworden, daher habe ich auch heute noch den Hang zu deutschsprachiger Musik. Peter Maffay verehre ich wirklich sehr. Und das nicht nur, weil meine Mutter den in den Siebzigern rauf und runter gehört hat. Ansonsten bin ich ein großer Fan von Rock und Metal, höre aber eigentlich so ziemlich alles, was nicht gerade Techno, Volksmusik oder Free-Jazz ist. Insofern beeinflusst mich alles, was sich auch in meinen eigenen Kompositionen wiederspiegelt. Du kennst ja mein letztes Solo-Album. Dort sind die unterschiedlichsten Musikstile vereint. Insofern könnte eigentlich nur Frank Zappa als mein größtes Vorbild gelten. Denn der hat sich stilistisch auch nie festgelegt.

Vlad: Und was bedeutet Dir Musik persönlich?

Palazzo: Musik ist für mich Ventil, Sprache, Lebenselixier. Ohne Musik überlebe ich keinen Tag. Leider schaffe ich es aus privaten Gründen nicht mehr in dem Umfang wie früher, selbst kreativ Musik zu machen, aber als Ausgleich rezensiere ich andere MOM-Artists und produziere für andere Künstler. Viel Spaß machen mir auch die gelegentlichen Collabos mit befreundeten Musikern. Hier bei MOM gibt es ja auch einige zu hören [z.B. „Never Ask For More“ von Staci, ein echt geiler Titel – Anmerkung des Redakteurs :-D].

Vlad: Du hast wirklich Ahnung von Musik, Deine Bewertungen sind immer kritisch und fallen oft etwas streng aus, sind dafür voll auf den Punkt gebracht. Von Dir 5 Sterne zu bekommen, geschweige denn einen HdT ist eine Seltenheit und eine Ehre. Nach welchen Kriterien beurteilst Du die Musik?

Palazzo: Also, laut Statistik vergebe ich überdurchschnittlich viele Sterne und auch HdTs. Das liegt vor allem an der unglaublich hohen Qualität an Musik und den echt begabten Künstlern, die hier bei MoM aktiv sind. Ich beurteile Musik meistens mit zwei Ohren: Das Geschmacksohr und das Fachohr. Dabei kann es sein, dass ich einen Track zwar rattenscharf finde, die technische Umsetzung aber leider zu wünschen übrig lässt. Klar, dass ich da als Reviewer keine fünf Sterne vergeben darf. Allerdings erhalte ich sehr viel positives Feedback von meinen „Bewertungsopfern“. Denn auch wenn ich einen Song sehr schlecht bewerte, begründe ich dies immer in einer Form, die für die Betroffenen hilfreich sein soll. Das gelingt mir zwar nicht immer, aber doch meistens. Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch Tracks, die mich total langweilen, die aber sehr professionell gemacht sind. Hier kann ich als ernsthafter Reviewer natürlich auch keine schlechte Benotung durchführen. Ich weise dann vielleicht darauf hin, dass der Track das Rad nicht neu erfindet und dass das gehörte schon tausendmal von anderen dargeboten wurde, aber ich lobe dann auch gern die Produktionstechnik.

Vlad: Dein Markenzeichen ist Deine Stimme, die einen starken Wiedererkennungswert hat. Du kannst wirklich alles singen, von Blues über Rock und Schlager bis hin zur Oper, aber Du bewegst Dich hauptsächlich im Rock-Bereich. Wie kommt es dazu? Was inspiriert Dich?

Palazzo: Stimmt, meine Wurzeln sind die Rockmusik. Auch wenn ich Electro oder Pop produziere, so zeigen meine Songs überwiegend rockige Züge. Rock ist für mich ursprünglich und kraftvoll. Für mich persönlich bietet Rockmusik die besten Anlagen, um meine Gefühle herauszulassen. Rock bietet ein breites Spektrum an Möglichkeiten. Sie dient für mich aber oft nur als Basis, verschiedenste musikalische Richtungen einzubinden.

Vlad: Welche Instrumente spielst Du und wie lange schon?

Palazzo: Neben der bereits erwähnten Orgel und Gitarre spiele ich leidenschaftlich gern Schlagzeug und Percussion. In meiner Instrumentensammlung befinden sich Bongos, Congas, Tamboukas und sogar echte karibische Steeldrums von den Bahamas. Aber ich experimentiere auch gern mit anderen Instrumenten. So habe ich mir auch mal ein Didgeridoo gekauft, das ich dezent in meine Musik einzubauen versuche. Aktuell habe ich mir eine E-Geige bei Ebay geschossen, mit der ich nun meine Freizeit verbringe.

Vlad: Wie produzierst Du Deine Musik? Wie fängst Du an?

Palazzo: Die Vorgehensweise ist unterschiedlich. Meistens fängt es mit der Idee einer Melodie an. Dann setze ich mich an den Rechner, klemme Gitarre oder Keyboard an und spiele diese Melodie ein. Dann lasse ich sie ein paar Tage ruhen. Danach entscheide ich, ob mir diese Idee noch gefällt, verwerfe sie oder baue sie weiter aus. Es kommen weitere Instrumente hinzu. Der Einfachheit halber benutze ich oft vorgefertigte Drum-Loops, die dann später durch „echtes“ Drum-Programming ersetzt werden. Oft singe ich eine erste Pilotspur ein, um langsam auch ein Gefühl für die Art zu singen habe. In der Regel benötige ich sehr lange, um einen Song zu produzieren. Ich erstelle immer wieder „Zwischendemos“ der Songs und höre diese über einen längeren Zeitraum hinweg, bis es weitergeht. So arbeite ich immer an einem Dutzend Songs gleichzeitig. Und wenn mir der eine Song zum Halse raushängt, arbeite ich an einem anderen weiter, bis ich dann nach ein paar Wochen wieder beim ersten Track angelangt bin. Manche Kollegen raufen sich bei mir die Haare. Gerade noch arbeite ich an meinem kommenden Album („A Day At The Spaceport“, ein überwiegend instrumentales Spacerock-Album), aber auf einmal muss ich ein paar Dinge dazwischen schieben, weil ich da gerade Bock drauf habe, z.B. den Electro-Track „Toute La Nuit“, der gerade vor sich hinreift, oder „David Caruso“, ein Hiphop-Reggae-Song, den ich bis Sommer als Single veröffentlichen will.

Vlad: Deine Rock-Kompositionen beeindrucken, vom Aufbau über die Vielfalt der Instrumente bis, vor allem, zu den Vocals und den Texten. Schreibst Du Deine Texte und Musik selbst?

Palazzo: Auch ein Grund, warum es bei mir oft länger dauert. Ich versuche immer, einen Song so „perfekt“ wie möglich zu produzieren. Immer wieder frage ich mich beim Anhören der Zwischendemos: „Ist das okay so? Kann man noch was verbessern?“ So richtig zufrieden bin ich am Ende aber nie. Ich mag zwar meine Musik, es wäre ja auch seltsam, wenn das nicht so wäre, aber ich halte mich bei weitem nicht für genial. Deswegen freue ich mich immer über konstruktives Feedback oder gar musikalische und produktionstechnische Unterstützung. Meine Songs schreibe ich meistens allein, aber ich komponiere auch mit anderen zusammen. Gerade in einer Band ist das gemeinsame Komponieren sehr erhellend und befriedigend. Manchmal werde ich aber auch von anderen beeinflusst. So basiert z.B. „David Caruso“ auf einer Idee meiner Frau Stefie, die auch teilweise Text für den Song geschrieben hat.

Vlad: Woher nimmst Du Deine Ideen und Motivationen?

Palazzo: Ich lasse mich immer spontan von meinen Gefühlen leiten. Scheint heute die Sonne? Und ist das Gras saftig grün? Dann machen wir doch mal etwas Reggae! Ich habe nur eine Maxime beim Musikmachen: Keine Einschränkungen! Ich mache das, wonach mir gerade der Sinn steht. Auch wenn das ab und an mal bedeutet, gar nichts zu tun, hehe.

Vlad: Hattest Du bereits Veröffentlichungen?

Palazzo: NIGHTMISSION haben zu meiner Zeit leider nur einen Song auf einem Sampler von „Akasa Records“ veröffentlicht. THE LEUCOTOMICS haben in ihrer kurzen Zeit auch nur ein Album namens „Nutzloser Glibber“ produziert. Dies habe ich über mein eigenes Label „Crowdrock Music“ veröffentlicht. Meine bislang drei Solo-Alben „P2K“, „After Aua!“ und „Old School Vol. 1 – On Second Thoughts“ habe ich ebenfalls selbst veröffentlicht. Mit RANDOM habe ich zwei Alben gemacht: „Sexx“ und „Reloaded“, die beide beim US-amerikanischen Label „Metal Fighter Records“ veröffentlicht wurden. Des weiteren gibt es Veröffentlichungen, bei denen ich als Produzent oder Gastmusiker auftrete. Aktuell das Album von Achim Külgens PRIIME und ein Remix für eine Single der SATINHEADS.

Vlad: Wie sehen Deine musikalischen Pläne für die Zukunft aus?

Palazzo: Als nächstes möchte ich PALAZZO'S SPACEPORT PROJECT durchziehen. Hier arbeite ich mit einigen hervorragenden Musikern wie Markus „Marquette“ Roth, der ebenfalls bei MoM aktiv ist, Achim Külgen (RANDOM, DRAGONFLY) oder Ufo Walter (NICHTS, ASSASSIN, RANDY HANSON) zusammen. Anschließend habe ich mal wieder ein deutschsprachiges Rockalbum in der Planung. Und auch „Old School Vol. 2“ steht auf der Agenda. Schließlich will ich aber auch mit meiner neuen Band neues Material aufnehmen und damit auftreten.

Vlad: Du bist auch ein stolzer Papa, nicht wahr?

Palazzo: Ja, ich habe einen Sohn und zwei Töchter [das sind die Kinder, von denen Rico mit Sicherheit weiß, hehe – Anmerkung des Redakteurs]. Und in diesem Mai kommt mein viertes Kind auf die Welt. Die Kinder haben alle ebenfalls musikalisches Talent. Daran merkt man, dass Talent doch eine Generation überspringen kann. Hahaha!
Spaß beiseite: Meine Familie ist für mich Rückhalt und Inspiration zugleich. Und wer weiß? Vielleicht treten meine Kinder ja mal in Papas Fußstapfen! Ich werde sie dann in jedem Fall dabei unterstützen.

Vlad: Zum Abschluss noch eine Frage, die mich nicht in Ruhe lässt: Warum bekommst Du in der Düsseldorfer Altstadt immer Freibier und ich nicht? Hehe…

Palazzo: Weil ich mich da einfach öfter blicken lasse als Du. Hahaha! Aber keine Sorge! Beim nächsten Mal kriegst Du auch ein Freibier. Von mir! Als Dank für Dein Engagement und Deine Unterstützung für MOM und viele Musikerkollegen wie mich!

Vlad: Ich bedanke mich auch bei Dir für dieses sehr interessante Gespräch, für Deinen wertvollen Beitrag als Reviewer dieser Community und wünsche Dir auf allen Deinen Wegen weiterhin alles Gute.

Palazzo: Es war mir ein Vergnügen, hab’ vielen Dank für Deine guten Wünsche.

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